Eine besinnliche Weihnachtsgeschichte wird es nicht werden, was mir heute aus der Feder fließt. Draußen rüttelt der unruhige, seltsam aufgeregte Wind an den Fensterläden. Auch er ist nicht auf eine stille Nacht eingerichtet. Eine Eiseskälte hat er mitgebracht, sodaß ich froh sein muß, an einem solchen Tag nicht zu frieren und an einem warmen Plätzchen über bessere Zeiten nachdenken zu können.
Aber auch in den guten Jahren wußte ich nie, was ich dem Vater schenken sollte. Die Mutter klagte erst viel später, daß sie vom Christkind nie etwas Persönliches erhielt, und selbst wir Kinder waren mit unseren Geschenken oft unzufrieden. Über Gefühle und Wünsche wurde nie gesprochen, man riet und vermutete, welche Geheimnisse die Herzen der Anderen verbargen.
Während Mutter und Bruder sich ums Essen kümmerten, der Vater wortlos sein Bier trank, schmückte ich den Christbaum, mit immer der gleichen Ausstattung. Es galt: Die großen Kugeln unten, die kleineren oben. Platz für Kerzen und Lametta lassen und natürlich zuoberst eine gläserne Spitze. Sterne aus Stroh gab es noch, aber nichts Essbares, Schokolade und Plätzchen blieben auf dem Tisch für den sofortigen Verzehr.
Was gibt´s am Heiligen Abend zu essen? In deutschen Familien eine Glaubensfrage! Meist ist Kartoffelsalat dabei. Nicht bei uns! "Saure Zipfel" mit ganz viel weichgekochten Zwiebeln und Weißbrot! In die Kirche ging niemand gerne. Lieder wurden nicht gesungen, meine Familie bestand durchgehend aus unmusikalischen Brummern. Wichtig waren die Kinder. Mein Bruder hatte mit seiner Frau recht spät noch drei Söhne bekommen. Spätestens um 21 Uhr ging ich in meine Stamm-Kneipe, die sich alsbald füllte.
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