Genie und Wahnsinn!

Ich schreibe meinen 100. "Post" und weiß noch nicht, was dabei heraus kommt. Es muß etwas Besonderes werden, ein Brüller, ein Kracher, ein Blockbuster.

Mein geistiges Luftschiff geht auf Reisen. Wie immer, wenn wichtige Fragen zu beantworten sind, suche ich die Gemeinschaft großer Künstler, die sich aus ähnlichen Zwängen heldenhaft befreiten. Da wäre z.B. Thomas Mann, jener schwule Zauberer, der zur Aufrechterhaltung der bürgerlichen Fassade sechs Kinder zeugte. Oder unser Dichterfürst Goethe, der neben seiner wortgewaltigen Brillanz ein außergewöhnlich ordinärer Kerl sein konnte.

Wir nehmen den Hauch von Widersprüchlichkeit wahr, der das Großartige umweht. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit finden wir den Mann ohne Eigenschaften. Welche Gnade läßt einen Schriftsteller solche Werke schreiben? Dazu das Viele, zwischen Genie und Wahnsinn Liegende! Das treffliche Denken der Philosophen, die alleine klettern in der Höhe alpiner Kopflastigkeit, der Erkenntnis ebenso nahe wie dem Verlieren in geistiger Verwahrlosung.

Und schließlich ragen sie hervor, die Fixsterne unter den Menschen, ohne Zweifel erhaben über eine dumpf vibrierende Masse. Im Negativen noch beeindruckender als im Positiven. Ein Hitler läßt sich nennen, der über die Welt kam wie Gottes Sintflut, der schon wieder Wurzeln treibt im Denken unglücklicher Ignoranten.

Dem gegenüber steht die alles umfassende Kunst eines Pablo Picasso, die überall auf der Welt erkannt und gerühmt wird. Ein Meister des künstlerischen Probierens, der treffsicheren, jahrzehntelangen Suche nach Form und Farben, nach Material und Geist. 

Meine stille Kunst beschränkt sich auf das Malen, Schreiben und Fotografieren. In manchen Momenten der Extraordinarität mag ein flüchtiges Gelingen Hoffnungen erwecken, aber immer bleibt das Wissen, selbst der Großartige kennt das tiefe Fliegen über den menschlichen Abgründen!

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