Vor einigen Tagen bekam ich Post. Ja, ich erwähne das, weil mein Pit Bull inzwischen schläft, wenn der Briefträger kommt. Leise wandern die Kuverts in den Schlitz des Briefkastens und schon ist der fleißige DHL-Bote wieder weg. Noch vor Jahresfrist 'stand' mein Pit Bull beim Eintreffen des Briefträgers schräg in der Luft, die schwere Halskette bis aufs Äußerste gespannt.
Nach massiven Beschwerden unterschiedlichster Leute übergab ich meinen Hund einem alten, weißhaarigen Pfarrer, der mir versicherte, mit Gottes Hilfe würde er den Teufel aus meinem Pit Bull treiben. Ich vertraute dem Alten und bekam schon nach einem Vierteljahr meinen Hund zurück - völlig entspannt, ohne jede Aggression.
Seit dieser 'Metamorphose' hört mein Pit Bull auf den Namen 'Paulus'. Er schreibt zwar keine Briefe an die Römer, und schon gar keine an die Korinthenkacker, aber er scheint irgendwie besoffen von der Nächstenliebe zu sein. Der alte Pfarrer meinte, Jesus hätte ihm bei Wohlverhalten höchstpersönlich das Himmelreich versprochen, kurz bevor der Menschensohn zu seinem göttlichen Vater zurückkehrte.
Im Briefkasten lagen zwei Umschläge, jeweils mit einem Überweisungs-Beleg. Die evangelische Kirche forderte ihr Kirchgeld ein. Wutentbrannt zerriß ich beide Kuverts und dachte an den weißhaarigen Alten, der sich seine Kunst anständig bezahlen ließ. Gibt man ihnen den kleinen Finger, greifen sie nach der ganzen Hand!
Kurz bereute ich, keinen 'scharfen' Hund mehr zu haben. Dann spürte ich, wie von 'Paulus' ein Lufthauch zu mir herüber wehte, der mich sanft stimmte. Beim Anruf im örtlichen Gemeinde-Dekanat beruhigte mich eine freundliche Stimme. 10 Prozent eines Monatslohns würden selbstverständlich ausreichen, um die Götter gnädig zu stimmen.
Ich bedankte mich höflich, auch im Namen von 'Paulus' und wünschte für das kommende Pfingstfest gutes Gelingen bei der Verbreitung der frohen Botschaft des 'Evangeliums'.
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