Alle Jahre wieder!

"Julius Cäsar! Leute schaut! Da im Auto sitzt Julius Cäsar!"

Es war vor vielen Jahren. Wir wollten von Schloß Frankenberg weiter nach Bullenheim. Ich konnte nicht mehr laufen, also saß ich im Auto. Stunden zuvor hatten mir Silke und Andrea einen Kopfschmuck geflochten, denn ich war in unserer Wandergruppe der einzige "Vater". Nun saß ich also mit meinem Gänseblümchen-Haarkranz ziemlich betrunken auf der Rückbank eines Pkws.

Julius Cäsar! Kleopatra war an diesem Vatertag nicht mitgekommen. Zu sehr brachen die Erinnerungen in ihr hervor, als ich am Vortag den Bollerwagen schmückte. So hatte sie ihren Julius noch nie erlebt! Laut grölend und sturzbesoffen, eine Schande, sich als erwachsener Mann so zu verlieren!

Diese Art zu denken ist natürlich völliger Unsinn. Es handelt sich ja um die ganz große Ausnahme, wie eben auch am "Muttertag". Die Väter sollen spüren, wie dankbar ihnen die Gesellschaft dafür ist, ein halbes Leben lang auf eine bessere "Work-Life-Balance" zu verzichten. Der Eine muß sich intensiv mit der "Düsseldorfer Tabelle" beschäftigen, der Andere den Umzug in eine weit entfernte Großstadt organisieren. 😉

Wie auch immer. Ich versuchte dem Schreihals mittels ungeschickter Gestik klarzumachen, er hätte sich vor mir in den Staub der Landstraße zu werfen. Doch der erstarrende Blick einer kalbenden Kuh überzeugte mich von seinem Unverständnis. 

Der fahrende Untersatz setzte sich in Bewegung Richtung "Weinparadies" Bullenheim. "Wein auf Bier das rat ich Dir!" Hunderte Betrunkener folgten unserem Weg. Als der Pkw endlich schräg im Straßengraben hing, stolperten wir Richtung Blaskapelle, fanden einen Sitzplatz im Weinzelt und hofften, in den nächsten zwei Stunden nicht mehr aufstehen zu müssen.

Schon kamen üppige, ältere Damen im grünen Dirndl und boten Müller-Thurgau, Silvaner oder Bacchus an. Ersterer war ungenießbar, der Silvaner sauer, nur der Dritte einigermaßen trinkbar. Heute gibt es auch in Franken sehr guten Wein, doch ich spreche von einer Zeit vor der Jahrtausendwende.

Kleopatra saß zuhause in der Badewanne und dachte nicht im Traum daran, einer sprach- und bewegungsunfähigen Wandergruppe eine sichere Heimfahrt zu gewähren. Ich war als Julius Cäsar nicht mehr zu erkennen und setzte mich gegen Mitternacht mit meinem besten Kumpel in ein Taxi, dessen Fahrer uns am Telefon klarmachte, daß er nur käme, wenn wir ein stark erhöhtes Beförderungsentgelt akzeptieren würden.

Das taten wir. Nun galt meine ganze Sorge nur noch dem Nudelholz hinter der Eingangstüre! 😉

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