Realitätsverlust - Aschermittwoch!



Da sehe ich sie schon. Galoppierende Pferde. Ja wo laufen sie denn?

In die falsche Richtung. Gestern noch soffen und fraßen sie aus den bis an den Rand gefüllten Eimern, heute schmerzt sie das auf die Größe eines Gerstenkorns aufgeblähte Gehirn. Verkehrte Welt - Gesundheit und Enthaltsamkeit - wie lieb ick dir!

Die Ganzjahres-Narren fallen wieder auf. So meine Nachbarin Mechthild, die immer den Blinker setzt, wenn sie frühmorgens rückwärts aus der Hofeinfahrt fährt. Manchmal erlaubt es mein unruhiger Schlaf, sie dabei zu beobachten. Steht sie dann mit ihrem langen Volvo in Fahrtrichtung auf der Straße, wechselt sie das Blinklicht von rechts nach links und versucht, durch energische Gasstöße im Leerlauf die Nachbarschaft zu wecken. Dann legt sie seelenruhig den Gang ein und ruckelt los.

Mechthild arbeitet im örtlichen Distributionszentrum eines Sportartikelherstellers und wechselt wöchentlich von Früh- auf Spätschicht und umgekehrt. In ihrer Straße wird sie als "wilde Hilde" bezeichnet. Angeblich saß jeder männliche Bewohner unseres Viertel schon auf ihrer Bettkante. Vermutlich ist das nur ein Gerücht, denn ich bevorzuge die Ehefrau meines Nachbarn Eduard, die mich zwar nicht ausstehen kann, sich aber dennoch leidenschaftlich zu mir hingezogen fühlt.

Allerdings muß ich etwas aufpassen, um nicht als 'Straßenköter' jeglichen Respekt zu verlieren. In der jetzt beginnenden Fastenzeit versuche ich also, mich in sämtlichen WhatsApp-Gruppen rar zu machen. Vorhin streute ich unter falschem Namen das Gerücht, während des Karnevals in Rio im Regenwald verschollen zu sein. Zumindest Eduard wird begeistert sein und glauben, nun würde die Leidenschaft seiner Ehefrau wieder für ihn brennen.

Zur Überraschung meiner selbst frage ich in allen meinen WhatsApp-Gruppen nach, wer mit mir zum 'politischen Aschermittwoch' nach Passau fahren will. Dort könne man jeden Blödsinn in den Saal rufen, wie z.B.: "Rheinländer raus, Ausländer rein!" Es meldet sich natürlich keiner von diesen 'Gerstenkorn-Gehirnlern'. Sie fressen ihre Bismarckheringe in sich rein und hängen dann kotzend über der Klo-Schüssel. Ein merkwürdiges Volk, voller Widersprüche.

Wolle´mer se reinlasse? Lieber nicht. Beim Arbeiten denken sie nur an das Saufen und beim Saufen vergessen sie jeglichen Anstand. Heute schlossen die deutschen Karnevalisten die fünfte Jahreszeit ab. In ihren Schlafzimmern stürzen die fliegenden Pferde schwerleibig zu Boden. Die wilde Hilde muß sich gedulden, bis neuer Elan die Hengste wieder galoppieren läßt.

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Am Aschermittwoch schauen wir auf die Pferdekoppel bzw. in den Nürnberger Tiergarten. 🐎








  


Kommentare

  1. ... Karneval ist nix für mich, ich bin kein Mensch großer Veranstaltungen und schon gar nicht ein Freund des verordneten Frohsinns...🤷 Ich bin halt keine Mechthild ☺️
    Pferde hingegen liebe ich, wie wohl jedes "Mädchen" 🥰

    Wünsche dir noch einen schönen Tag,
    bis dahin ☀️

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  2. Danke, daß Du diese verrückte Geschichte gelesen hast. Auch Dir einen schönen Tag, auch wenn es Aschermittwoch ist. 🤡

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