Glasperlenspiel oder Schulmädchen-Report?

Es gibt Menschen, die gehen gerne ins Kino, andere lesen lieber ein Buch, manche vergleichen Beides miteinander und bevorzugen dann meist das Buch.

Warum das so ist? Eine leicht zu beantwortende Frage. Beim Lesen entsteht das Kopfkino, ein selbstgedrehter Film, den wir von hinten bis vorne verstehen. Aber auch wenn wir im Augenblick des Lesens ein Fragezeichen akzeptieren müssen, erschaffen wir uns eine Brücke zum anschließenden Text, denn wir sind sicher, die Lücke in unserem folgerichtigen Mitdenken wird wieder geschlossen werden.

Wenn es gar nicht klappt, mit dem hautnahen Dabeisein, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder nochmal lesen, langsamer, dabei intensiver nachdenken, oder das Buch weglegen. Entscheide ich mich für Letzteres, landen die fragwürdigen Machwerke auf dem Klo, wo sie dann nach Jahren, in leicht verstaubtem, aber jungfräulichem Zustand entsorgt werden.

Eine mir bis heute in Erinnerung gebliebene Erzählung ist das Leben des Magister Ludi Josef Knecht, im Glasperlenspiel von Hermann Hesse. Als 19jähriger Wehrpflichtiger scheiterte ich an dieser schönen Literatur, natürlich auch am geistigen Nachvollziehen des Glasperlenspielens. Immerhin begann ich, die multikultifähigen Menschen zu bewundern. Picasso und Goethe, das waren schon großkalibrige Menschen. Oder Alexander der Große, von dem man nicht wirklich viel weiß. Sicher ist, er profitierte vom Wissen Aristoteles, der noch heute als einer der einflussreichsten Philosophen und Naturwissenschaftler der Geschichte gilt, wenn man 'Wikipedia' glauben darf.

Die frühere Kanzlerin Angela Merkel hingegen verachte ich, weil sie so doof lachte bei ihrer Feststellung, multikulti sei absolut gescheitert. Sie plädierte dafür, muslimische Mädchen in das Becken zu schmeißen, wo alle schwimmen, was soll's! Das Seepferdchen kennt keine kulturellen Unterschiede. Und die protestierenden Eltern werden einmal verwarnt, bei erneutem Widerspruch ausgewiesen! Wer will sich solcher Vereinfachung heute noch anschließen? Wir wissen doch inzwischen, kulturelle Eigenheiten sind wie heilige Kühe - untouchable!

Ein Karl-May-Buch legte ich nie zur Seite. Ich verschlang sie alle, weil ich wußte, sie bringen mich in die weite Welt hinaus. Schwitzend durchquerte ich die Sahara und in einer lauen Prärienacht hörte ich Kojoten heulen, dünne Hölzchen brechen, spürte den Atem des bösen, sich anschleichenden Komantschen im Nacken. Das war, vor allem in meinen Jugendjahren, wunderbare Literatur. Ich lernte sogar den Mahdi kennen, von dem ich erst später erfuhr, daß es ihn wirklich gab.

Noch später in meinem Leben begann die Phase mit den historischen Büchern. Es war spannend zu hören, was Isabella von Kastilien, die Katholische, ihrem Beichtvater ins Ohr flüsterte. Sie schickte Kolumbus, spärlich ausgestattet, in die neue Welt und vertrieb die Mauren als auch die Juden aus Spanien. Sie war nicht schön, aber mächtig und liebte Ferdinand von Aragon. Das alles erzählte mir Hermann Kesten, Nürnberger Ehrenbürger und leidenschaftlicher Förderer schriftstellerischer Talente. Dieser bösen Isabella verdankt meine Tochter Isabel ihren Namen. Nein, ich dachte bei der Namensgebung vor allem an Isabel Allende, der Schriftstellerin und Nichte zweiten Grades des Salvador Allende, ehemaliger chilenischer Präsident, der beim Putsch des Diktators Pinochet ums Leben kam. 

Am Schluß bleibt zu vermuten, ohne das Lesen von Büchern, ob mit oder ohne Verständnis, wäre ich heute sicher ein Anderer! Von Kinofilmen kann ich das nicht behaupten, mir fällt da nur der kurzfristig erregende Schulmädchen-Report ein. 😈 😊🏃‍♂️

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Heute sehen wir uns die Cosmae, das Schmuckkörbchen an. Die großen Blüten leuchten in der Sonne und sind, wie wir oben sehen, von Insekten sehr begehrt.


                                       


      

Kommentare

  1. ...der Film "Die Brücke" mit den jungen , fast noch Kindern Fritz Wepper und Volker Lechtenbrink, den wir damals in der Schule gesehen haben, hat mich tief beeindruckt und ich kann ihn auch heute noch nicht wirklich ansehen, genau so wie "Schindlers Liste".
    Anne Frank hat mich lange in meiner Jung-Mädchen -Zeit begleitet und beschäftigt.
    Später kamen Werke , die sich mit Psychologie beschäftigten und doch laienverständlich geschrieben waren,
    vor allem auf Empfehlung eines lieben Arbeitskollegen, hochinteressant und fesselnd.
    Als Kind aber war auch Karl May mein Favorit -Abenteuer pur.
    Ach mir fällt noch viel ein, Ephraim Kishon und seine "die beste Ehefrau von allen" zum Beispiel ☺️
    Seinen Humor mag ich auch heute noch😂

    Um noch einmal auf Nawalny zurück zu kommen, denke ich, dass man seinen Weg gehen muss, da ist immer dieser innere Antrieb, egal, ob es der Künstler ist, der wie im Fieber malt oder textet, oder was auch immer.
    Genau so ist es mit Menschen, die etwas bewegen,verändern wollen, immer ist da der Drang weiter und weiter zu gehen...
    Oder warum kraxelte ein Reinhold Messner auf Berge, verlor seinen Bruder und machte trotzdem weiter, hatte auch Frau und Kinder und wusste doch nie, ob er wiederkehren würde...
    Wie auch immer, heute dürfen wir hier rosafarbene Cosmae-Blüten bewundern, eine für Insekten anziehende Farbe offenbar und wieder schön in Szene gesetzt von dir 🥰
    Das Wochenende ist da und ich wünsche dir ein Schönes 🌞
    LG :D

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  2. Hallo B.,
    ich danke Dir für Deine Ausführungen und sehe, das Lesen guter Bücher war für uns beide eine Freude, der wir gerne nachgekommen sind. Natürlich vergißt man das meiste wieder, aber das ist nicht entscheidend. Ich denke, meine Lust zu schreiben kam auch über das Lesen, über den Umgang mit unserer schönen deutschen Sprache.
    Für Nawalny, Messner und andere ist das "Normale" nicht genug. Speziell Messner hat den Ehrgeiz, der Gefahr ins Auge zu schauen, allerdings gut vorbereitet und entschlossen, diese Gefahr zu beherrschen und eben auch dann am Leben zu bleiben, wenn es schwierig wird. Ich habe ihm wiederholt zugehört, wenn er davon erzählte. Doch diese Einstellung ist eben nicht "normal" und für die meisten Menschen nicht nachvollziehbar.
    Ich wünsche Dir schöne Stunden und Tage, vielleicht auch beim Lesen. 📜 📚

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