Auf der Suche!

Es folgt eine wahre Geschichte, die ich kürzlich - leicht verändert - auf einem anderen Blog als "Kommentar" zum Besten gab. Wer mir nicht glaubt, soll weiter Grimm's Märchen lesen und seine Brötchen aus der Schnabeltasse schlürfen. Eine Geschichte für hartgesottene Männer und Frauen, für Menschen, die schon als Kind wußten, was sie einmal werden würden. Alles begann  in einem Haus mit der Nummer 33 1/2. Ich wuchs heran, lernte laufen, lesen und schreiben und schließlich fiel mein Blick auf unsere Hausnummer. Ab diesem Augenblick quälte mich eine einzige Frage: "Wo ist die andere Hälfte?" Mein Geburtshaus hatte rundherum vier Mauern und es fehlte ihm an nichts, von fließend Warmwasser und WC einmal abgesehen.

Kann es sein, daß ich selbst die halbe Portion war, die dem Haus eine gebrochene Zahl gab? Wurden Kinder in der Nachkriegszeit noch nicht für voll genommen? Doch halt, Moment mal, ich hatte einen älteren Bruder und zusammen genommen sollten wir doch ein Ganzes ergeben?

Niemand konnte mir eine befriedigende Antwort auf die in mir bohrende Frage geben. Im ganzen Dorf gab es kein weiteres Haus mit einer halben Nummer. So entschied ich mich, all meine Aufmerksamkeit in der Schule dem Rechnen zu widmen. In der neugegründeten Realschule besuchte ich den kaufmännischen Zweig, führte Buch und lernte die Lehre der Wirtschaft kennen.

Es half alles nichts. Die göttliche Eingebung blieb aus. Schließlich öffnete mein Klassenlehrer die Tür und schickte mich in die Welt hinaus, mit einem großen Fragezeichen im Gepäck. Manche Mitschüler, vor allem mein Tischnachbar Hansi, die mein Problem kannten, heulten in ihr Taschentuch und winkten mir traurig hinterher. 

Nicht der Hansi klein, wie wir in der Schule sangen, sondern ich höchstselbst ging in die weite Welt hinein und suchte nach der erlösenden Antwort. Das Schrittezählen wurde mir schnell lästig. In Ochsenfurt nahm mich ein freundlicher Kapitän mit auf große Fahrt, es ging über Mainz in den Rhein und schließlich sprang ich in Köln an Land.

Was soll ich sagen? Ich bin zwar nicht katholisch, aber am Fuße des Kölner Doms geschah das Wunder, welches mein Leben wieder gerade rückte! Hausnummer 2583 1/2! Jetzt war alles klar, ein göttliches Schicksal ließ mich in dem kleinen Häuschen mit der Nummer 33 1/2 zur Welt kommen. Ich fühlte mich wie Jesus Christus, lief nach Hause, in die offenen Arme meiner Mutter, sah ihre Freudentränen und konnte nicht anders als zu fragen: "Wie kann es sein, daß ich einen älteren Bruder habe?"

Meine Mutter zeigte ihre Freude nach meiner Heimkehr nur kurz. Sie wirkte überrascht und wollte schließlich wissen, was denn geschehen sei? Ich sah ihr nicht in die Augen. Es ist schwer, der eigenen Mutter Betrug vorzuwerfen. Schließlich nahm ich sie dann doch gnädig in die Arme und meinte, das mit der jungfräulichen Geburt hätte ich noch nie geglaubt.

In diesem Augenblick kam mein Bruder herein, sah uns innig vereint da sitzen und meinte: "Na, ist der verlorene Sohn wieder nach Hause gekehrt?" Ich lächelte zum Schein. "Du bekommst von mir einen Teller Linsensuppe, wenn ich dafür der Erstgeborene bin." "Klar", meinte mein Bruder arglos, "her damit!"

So wurde ich also das, was ich schon immer werden wollte - der eingeborene Sohn Gottes!  😁
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Sorry, es gab Schwierigkeiten mit der Schriftanzeige!
Heute sehen wir uns fünf unterschiedliche Fotos an, beginnend oben mit der Bartnelke, gefolgt von einer Biene mit Sammel-Tasche, dann der Bienenfreund, oder Büschelschön, oder Phacelia, die Traubenhyazinthe und eine blaue Winde von hinten. 😉






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