Meine Meinung!


Wer Andere kritisieren will, muß mit seiner Kritik bei sich selbst beginnen! Jawohl, leuchtet uns ein, dieser edle Vorsatz, zumal mancher "Shitstorm" in den neuen Medien ohne jedes Nachdenken losbricht. Wozu auch, die vorgedachte, immer gleiche 'Blasenmeinung' liegt ja auf Abruf bereit.

Selber denken, sich eine 'eigene' Meinung bilden, das ist schwer, das schaffen nur wenige. Warum ist das so? Meinungsbildung erfordert gute Informationen aus unabhängigen Quellen. Dann will das Für und Wider abgewägt sein, und schließlich, unter Berücksichtigung persönlicher Präferenzen, kristallisiert sich die eigene Meinung heraus. Diese kann bzw. muß sich verändern, falls neue Informationen hinzukommen.

Am schwierigsten ist es, eine eigene Meinung zu bilden, bevor sich die Dinge ereignen. Hinterher kann jeder Klugscheißer behaupten, er hätte schon immer gesagt und gewußt, was von Diesem oder Jenem zu halten sei. 

Schauen wir beispielsweise auf den 'Klimawandel'. Seine Auswirkungen sind an vielen Orten erkennbar, dennoch gibt es die unterschiedlichsten Meinungen darüber, wie gegen die Klimaveränderungen vorzugehen sei. Ähnlich war es bei der Covid-19-Pandemie. Die Experten stritten sich leidenschaftlich vor den Fernsehkameras, obwohl absolut niemand wußte, was genau auf uns zukommen wird.

Der Streit von Fachleuten zeigt uns, selbst wenn man in der Sache gut informiert ist, bilden sich aufgrund persönlicher Einschätzungen unterschiedliche Meinungen heraus. Da aber während der Pandemie davon ausgegangen werden konnte, kein Experte will dem Volk etwas Böses, ist es Unsinn, ihn aufgrund seines nachträglich festgestellten Irrens zu 'verurteilen'. Herr Lauterbach las jede neue Studie, mahnte zur Vorsicht, war beim Fernseh-Publikum beliebt und wurde später auch deshalb zum Gesundheitsminister ernannt. Allerdings stellte sich 'hinterher' heraus, die langandauernden Schulschließungen waren eine übertriebene Vorsichtsmaßnahme. 

Ein anderes Beispiel. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, bezeichnet die ihrer Meinung nach zögerliche Haltung des Bundeskanzlers Scholz, was Waffenlieferungen in die Ukraine  betrifft, als unverantwortlich. Für Herrn Scholz wiederum lag die Verantwortungslosigkeit im Handeln ohne Absprache mit den wichtigsten NATO-Verbündeten. Wer hat recht? Wir werden es erst hinterher wissen!

Im Krieg sterben viele Menschen. Verkürzen Waffenlieferungen den Krieg? Ziehen sie ihn in die Länge? Sollten wir auf die Ukraine hören, die um immer mehr Waffen bitten? Oder sollten wir generell davon absehen, Waffen in Kriegsgebiete zu liefern? Eine solch schwerwiegende Verantwortung trägt ein Durchschnitts-Mensch nicht. Aber natürlich hat er eine Meinung dazu. Und er wird sauer, wenn seine Meinung nicht beachtet wird.

Hier fängt meine Kritik an! Sind wir wirklich nicht schlauer? Ist uns nicht klar, daß wir gar nicht wissen können, was das Beste für die Ukraine, für Deutschland und für Europa ist? Die in der Verantwortung Stehenden müssen etwas tun, obwohl auch sie nicht wissen, was am Ende dabei heraus kommt! So ist das Leben, keiner kann in die Zukunft blicken, deshalb macht jeder Mensch zwangsläufig Fehler!

Nun gibt es Politiker, die in dieser Situation versuchen, das Volk, jeden Einzelnen von uns, aufzuhetzen. Sie sagen, Emigranten nutzen unser Sozialsystem aus, besetzen die Wartezimmer in den Zahnarztpraxen und sollen grundsätzlich an der Einreise gehindert werden. Selbst das im Grundgesetz verankerte Asylrecht stellen sie in Frage. Viele von uns hören das gerne, weil wir dann einen Schuldigen für unser gefühltes Unwohlsein gefunden haben. Auch hierbei sind wir dumm genug, die populistische Strategie nicht zu durchschauen. Wir laufen in die Arme der AfD und es ist uns mittlerweile egal, ob wir dadurch als rechtsradikal gelten. Ebenso ignorieren wir die Unfähigkeit und die Unwilligkeit der AfD, durch eigene Vorschläge auch nur das geringste Problem angehen zu wollen. 

Deutschland muß sich mit vielen solcher 'Probleme' befassen, deren Beseitigung viel Geld kostet. Doch der Finanzminister, dessen Partei ums politische Überleben kämpft, zwingt die Ampel-Regierung zum Einhalten der 'Schuldenbremse'. Somit kann der Staat, also Deutschland, also wir alle, nötige Reformen nicht in Angriff nehmen. Der Krieg in der Ukraine, der Klimawandel, die Infra-Struktur, die Digitalisierung, der Wohnungsbau, die Rentenversicherung, die Energieversorgung und Einiges mehr kosten viel Geld. Dafür kein zusätzliches Geld auszugeben, weil die 'schwarze Null' im Bundeshaushalt erreicht werden muß, vermindert die Aussicht auf umfassende Erholung und Entwicklung unseres Landes. Wir alle hier in Deutschland brauchen in diesen Tagen Mut, Entschlossenheit, Vertrauen und Geld!  

Ist das nur meine Meinung? Hoffentlich nicht. Es liegt doch ziemlich klar auf der Hand, das Deutschland jetzt investieren muß, damit unsere Kinder in Zukunft nicht nur besser lesen und schreiben können, sondern auch beim Nachdenken erfolgreich sind, sich nicht verarschen lassen und auf ihre Umwelt aufpassen.

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Das 'Echte Leinkraut' kannte ich nicht, als ich es auf einer Wiese stehend fand. Eigenwillige Blüten, schöne Farben. Eine erfreuliche Entdeckung!



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