Ein Leben will organisiert sein! Vor allem so ein gähnend langweiliges Single-Dasein wie meines. Ich wollte es nicht haben, ehrlich, nicht mal geschenkt! Meine Freundin jedoch war anderer Meinung und schickte mich in die Wüste, bevor ich alt, grau und lahm wurde. So geschah es, daß ich jeden Tag als Kamel ohne Karawane erwache, und trotz aller kritischer Selbsterkenntnis mein Spiegelbild mit einer freundlichen Munterkeit begrüße, die ich seltsamer Weise tagsüber nicht mehr wiederfinde.
Wie auch immer, mein vom Blasendruck befördertes Erwachen empfinde ich meist als Befreiung, denn meine Träume zeichnen sich in der Regel durch eine unsinnige, rätselhafte Handlung aus. Nach zehn Minuten der morgendlichen Routine sitze ich vor meinem Laptop und frage ihn, was er mir, dem modernen Don Quijote, dem eigenbrötlerischen Kamel in der Wüste, anzubieten hat?
Wäre meine 'Alexa' eine österreichische Zwiderwurzen, würde sie "geh´ scheißen!" antworten. Das heißt übersetzt 'laß mich in Ruhe', oder 'hau ab'. Wir kennen diese Fäkalsprache als Wiener Schmäh. Da fällt mir ein, heute Abend will uns das österreichische Bergbauernvolk am Einzug ins Halbfinale der Handball-Europameisterschaft hindern. Nur wer gewinnt darf weiter hoffen.
Endlich schließt sich der Kreis, ich bin wieder bei der eingangs angesprochenen Organisation meines Tagesablaufs. Handball am Abend und Biathlon am Nachmittag, das sind die Fixpunkte, um die sich alles dreht. Solche an sich banalen Pläne können nur von einer sich bösartig anschleichenden Müdigkeit durchkreuzt werden. Es gilt also, nach dem Schreiben dieser unsinnigen Zeilen das Kopfkissen aufzuschütteln und das greise Haupt so zu betten, daß es mit neuer Kraft erwacht, ohne Blasendruck, ohne den Nachgeschmack selbstzerfleischender Träume.
Gestern durfte ich mit Stolz und einer nicht geringen Freude feststellen, ich kann auch anders, als ich will! Versteht ihr das? Eigentlich wollte ich nach der Biathlon-Übertragung nichts tun, doch urplötzlich packte ein inneres Ungeheuer den ebenfalls dort befindlichen Schweinehund und zwang ihn zur Aufgabe. So befreite ich mein Auto vom Schnee und fuhr zum Bäcker, um dort festzustellen, nicht genug Bargeld einstecken zu haben. Zuhause wußte ich das noch, vergaß es aber unterwegs.
Also stieg ich wieder ins Auto, fuhr zur Bank, zurück zum Bäcker, wo ich meinen Einkauf wegen des angenehmen Geruchs etwas in die Länge zog. Die Verkäuferin half mir dabei. Sie mußte mein großes Stück Mohnzopf ein zweites Mal abwiegen. Anschließend wachte der eben noch besiegte Schweinehund wieder auf und bellte, ich wisse doch, daß es sinnvoll sei, übers Wochenende ein paar Schachteln Zigaretten im Hause zu haben!
Mittlerweile begannen die Schneereste auf der Motorhaube zu schmelzen. Quer durch die Stadt führte mein Weg zum Supermarkt, der die Zigaretten meines Geschmacks verkauft. Natürlich fand ich noch weitere Dinge, die mein Herz begehrte. Ich sage diesmal ganz bewußt 'Herz' und nicht 'Schweinehund'. Manchmal weiß ich aber tatsächlich nicht, wer ich bin, aber ich weiß, ich bin mehrere! 😉
Das war ein kleiner Einblick in ein Single-Dasein. Täglich müssen schwerwiegende Entscheidungen getroffen werden, nichts darf dem Zufall überlassen bleiben, denn viel zu schnell sind Höhepunkte verpasst, unwiederbringliche Momente verloren gegangen. 😉
-------------------------------------------------------------------------
Verlorene Momente! Keiner anderen 'Naschkatze' jagte ich mit größerer Beharrlichkeit hinterher. Das 'Taubenschwänzchen' steht in der Luft wie ein Kolibri und steckt seinen langen Rüssel in die duftenden Blüten. Während seiner Tätigkeit ist es schwer zu fotografieren. Der schnelle Flügelschlag und die unruhige Stellung in der Luft sorgen dafür. Das Taubenschwänzchen hat keine 'Füße', wie auf dem letzten Foto gut zu erkennen ist, kann sich also an der Blüte nicht festhalten. In der Größe ist es mit einer Hummel vergleichbar.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen