Wie hieß unser letzter Kaiser? War es der unglückselige Wilhelm II., der Deutschland in den 'Ersten Weltkrieg' führte? Nein, unser letzter Kaiser war Franz Anton Beckenbauer, ein schmalbrüstiges Bürschchen aus München-Giesing. Kaiser Franz starb am Sonntag, den 7.1.2024, krank und müde geworden, enttäuscht von jener Glitzerwelt, in die er einst elegant und mühelos aufstieg.
In den 60er Jahren veränderten sich viele deutsche Wohnzimmer. Die 'Flimmerkiste' bekam einen zentralen Platz in der obligatorischen Schrankwand. Familien, die bis dahin nur sonntags das Wohnzimmer nutzten, rückten näher zusammen und glotzten jetzt täglich gemeinsam in die Ferne. Am 11. Juli 1966, ich weiß es noch ganz genau, begann in England die achte Fußball-Weltmeisterschaft, zu sehen in unserem nagelneuen 'Loewe opta' Schwarzweiß-Fernseher.
Für Deutschland spielte u.a. 'Uns Uwe'. Jeder kannte ihn, den kleinen Hamburger. Aber wer war dieser 18jährige Jungspund namens Beckenbauer? Das fragten sich viele, die das auffallend elegante Spiel des späteren Kaisers bewunderten. Für mich als 11jährigen Fußball-Fan waren alle Spieler große Stars, wie z.B. ein Lothar Emmerich oder ein Helmut Haller, dessen exakt gescheiteltes, blondes Haar mir auffiel.
Beim Endspiel zwischen England und Deutschland saßen auch Teile der Verwandtschaft mit im Wohnzimmer. Der Zigarettenqualm wälzte sich vor den Bildschirm und zog dann mit der warmen Luft nach oben. Kurz vor Schluß schoß Wolfgang Weber den Ausgleich. Alle riefen 'Toooooor', reckten die Arme nach oben. Es ging weiter - Verlängerung.
Dann geschah das Unglaubliche! Der Ball prallte von der Unterkante der Latte senkrecht zu Boden. Nach einigem Hin und Her entschied der schweizer Unparteiische auf Tor. Die Fußballwelt hatte das bis heute unvergessene 'Wembley-Tor'. Für England blieb es der einzige Titel bei einer WM-Endrunde. Deutschland hatte da mehr Glück, und das nicht zuletzt wegen eines Mannes: Kaiser Franz!
Acht Jahre später erreichte die Bundesrepublik Deutschland im eigenen Land, trotz Vorrunden-Niederlage gegen die DDR, wieder das Endspiel um die Fußball-WM. Der Gegner hieß diesmal 'Niederlande'. Nach zwei Minuten stand es 1:0 für die Holländer. Nun war der Kaiser gefordert und er lieferte. Am Ende der neunzig Minuten gewann Deutschland den zweiten WM-Titel.
Aus meinen wenigen Zeilen kann nicht verständlich werden, warum Franz Beckenbauer zur Lichtgestalt des deutschen Fußballs wurde und warum ihn in seinen späten Jahren das Glück verlassen hat. Das Wirken des Kaisers ging weit über den Fußball hinaus. Während des sogenannten 'Sommermärchens' 2006 sah die Welt in ein freundliches Deutschland mit begeisterungsfähigen, liebenswürdigen Menschen.
Der Kaiser ist tot und das Sommermärchen, welches einzig und allein durch sein weltweites Wirken zustande kam, auch!
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Der Kaisermantel ist ein großer Perlmuttfalter, der gerne auf blühenden Disteln sitzt.
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