Kürzlich, am ersten Weihnachtsfeiertag, erlaubte ich mir einen Spaß und fragte meinen 12jährigen Neffen, ob er mir sagen könne, wo sich Meister Lampe während der Weihnachtstage versteckt hält. Er schaute mich mit traurigen Augen an und dachte darüber nach, ob er seine Vermutungen hinsichtlich meines labilen Geisteszustands an den Rest der Familie weitergeben soll. Doch mein überlegenes Grinsen ließ ihn zweifeln. So fragte er erst einmal nach, wer denn Meister Lampe sei?
Auf diese Frage hatte ich gehofft: "Das ist der Osterhase, Du Dummkopf, was lernst Du eigentlich in der Schule?" Darauf entgegnete mein Neffe, in Biologie seien sie gerade dabei, die Bestäubung der Bienenvölker durchzunehmen. "Was!" rief ich, und war über diese unsinnige Aussage sehr irritiert, "im tiefsten Winter denkt ihr über die Fortpflanzung nach?" Nun war es an meinem Neffen, die Welt nicht mehr zu verstehen. Völlig verwirrt lief er zu seinem Vater, also meinem Bruder, um diesen von meiner fortschreitenden Geisteskrankheit zu berichten.
So kam nun mein Bruder auf mich zu: "Meine Kinder verstehen Deinen Humor noch nicht. Sei also vorsichtig!" Eltern sind selten wagemutig, was die Erziehung ihrer Kinder betrifft. Ich hingegen habe die eigene, gescheiterte Vorbereitung aufs Leben noch in Erinnerung und will deshalb alles besser machen. Ich startete einen zweiten Anlauf, mein Neffe war noch nicht aus dem Schneider: "Du kleiner Verräter", rief ich ihm zu, "sag mir, was der Osterhase während der Weihnachtstage treibt?"
Nun blickte die ganze Familie fragend auf mich. Nur meine thailändische Schwägerin, die lediglich 'Osterhase' und 'Weihnachten' verstanden hatte, lächelte wie so oft: "Ja, ja, Hase liegen in Pfeffer!" Es war zu schwierig, ihr zu erklären, um was es tatsächlich ging, denn bis heute wollte noch niemand wissen, wie der Osterhase über den Winter kommt. Um die heikle Situation zu entspannen, führte ich ein Selbstgespräch in Reimform.
"Schaut hin, wer liegt da unterm Baum?
Meister Lampe, man glaubt es kaum!
Trägt auf der Nase eine Brille,
liest Kinderbücher, in aller Stille.
Doch niemand, auf der ganzen Welt,
soll wissen, wie´s Herr Lampe hält,
an Weihnachten und über´s Jahr,
er macht sich einfach unsichtbar!"
Ich schwöre, alle schauten zum Baum, ob dort Meister Lampe liegt und ein Buch in der Hand hält. Nur meine Schwägerin nicht. Sie wunderte sich, daß bei meinem Weihnachtslied niemand mitsang. Eigentlich ist sie Buddhistin, mußte aber wegen der Hochzeit mit meinem Bruder christlich werden. So feiert sie zwar unbeschwert Weihnachten, ißt aber noch immer kein Rindfleisch. Auch Käse kommt ihr nicht auf den Teller.
Mein jüngster, oben beschriebener Neffe wiederum mag das Thailändische nicht so sehr. Für seine Geburtstagsfeier bat er sich deutsches Essen aus. Man sieht es ihm an. Von asiatischem Gemüse kann niemand so fett werden. Ich wollte ihn noch fragen, woher der Osterhase seine Eier habe, aber sah ein, für heute reicht es. Ich will doch an Weihnachten keine unnötigen Spannungen innerhalb des Familienkreises erzeugen... 😉
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