Nun wird es aber Zeit, hier mal wieder zu "erscheinen". Und was soll ich sagen? Der große Garten hinter dem Haus ist mit einer wollig-weichen Schneedecke überzogen!
Üblicher Weise endet mein Tag mit einer letzten Zigarette am offenen Fenster. Ein paar Kniebeugen unterstützen mich dabei, das zuletzt Gedachte aus dem Kopf zu bekommen. Beim Zubettgehen will ich bereit sein für das Nichts, für das schnelle Loslassen.
Wißt ihr um eure "Rituale", wenn die Reise in die Traumwelt bevorsteht? Zählt ihr vielleicht sogar die kleinen weißen Lämmer, leise blökend, während sie anmutig über ein Hindernis springen? Für mich ist der Versuch, tatsächlich an nichts zu denken, immer wieder spannend. Manchmal bleibt es eben beim Versuch und dann stürze ich mich mutig aus dem Fenster, fliege über die Dächer meiner kleinen Stadt dahin, hinaus bis an den Waldrand. Dort fühle ich mich wohl und verharre über den sich wiegenden Kronen der Bäume.
Als Kind traute ich mir solche Flüge noch nicht zu. So stellte ich mir vor, mein Schlafzimmerfenster würde sich wie von Geisterhand öffnen, während mein Bett sanft in die Höhe steigt und vorsichtig in die Nacht hinausgleitet. Gestern jedoch, vielleicht war es auch schon kurz nach Mitternacht, reizte mich die kalte Luft zu keinerlei Flugabenteuer. Der Winter ist mir grundsätzlich nicht unsympathisch, doch seine plötzliche Anwesenheit will ich nicht gutheißen.
Jedenfalls bin ich schnell eingeschlafen, mußte nicht zum Pinkeln aufstehen und war gleich nach dem Erwachen munter und froh gelaunt. Dann das immer gleiche Ritual mit dem Frühstück zubereiten. Wasserkocher befüllen, Tasse und Thermoskanne ausspülen, Milch und Kaffee aus dem Kühlschrank holen. Dabei sehe ich, der Hefekuchen ist alle. Schade! Mein Bäcker versteht es, mich mit seinen Zöpfen zu begeistern. 😉
Aus den Gesprächen mit der Verkäuferin weiß ich, wie schwierig es ist, den unterschiedlichen Wünschen der Kundschaft gerecht zu werden. So hasse ich dieses 'Orangeat' und 'Zitronat' im Stollen, doch mein Bäcker will keinesfalls darauf verzichten. Andererseits sind die 'Donauwellen' und der 'Käsekuchen' sehr lecker und in dieser Größe und Güte anderswo nicht zu finden.
Schon beim Verspeisen des Frühstücks ändert sich mein Gemütszustand. Ich denke an meinen Leserbrief zum Thema: "Gott ist queer!" Wie kann ein evangelischer Pfarrer eine solche Behauptung aufstellen, noch dazu auf dem 'Kirchentag'! Dafür ist er natürlich in den modernen Medien schwer beleidigt worden. Ich denke, es ist grundsätzlich schwierig, etwas über den Zustand Gottes auszusagen. Er ist, wie er ist, wenn es ihn überhaupt gibt. Wir Menschen wissen es nicht.
Wahrscheinlich dachte die Menschheit schon immer über die Frage nach, ob es Gott gibt und wenn ja, wie muß man sich ihn vorstellen? Mag er Orangeat im Stollen? Fragte er seinen Sohn, wie es ihm auf der Erde ergangen ist, als sich dieser zu seiner Rechten an den Thron setzte? Und was machte Maria, nach deren Himmelfahrt? Ach ja, Letzteres glaube ich als Lutheraner nicht. Wäre ja noch schöner, wenn die Maria nachts aus dem Fenster geflogen wäre, direkt ins Paradies.
Darf ich Witze über Gott und seine Familie machen? Muß ich befürchten, daß er bzw. sein Sohn Jesus, mich bei unserer ersten und letzten Begegnung fertig macht, dem Höllenschlund übergibt? Ach, hätte ich doch bloß meinen vorlauten Mund gehalten und wäre munter auf der Donauwelle weiter gesurft. Es ist eben, wie ich schon sagte. Viel steht geschrieben, Jesus hat einiges davon korrigiert, aber was nun wirklich passiert, wenn der alte weiße Mann mit dem Rauschebart ernst macht, das wissen wir kleinen Leute nicht.
Immanuel Kant glaubte nicht an Gott und Friedrich Nietzsche meinte, seine Leiche gesehen zu haben. Hoffentlich ist wenigstens das Verschmähen des Christstollens keine Blasphemie. Sollte ich je vor dem 'Jüngsten Gericht' stehen, werde ich mich wie mein Religionsstifter verhalten: "Hier stehe ich, und ich kann nicht anders!" 😉
...naja, wenn Gott den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat, müsste er alle Facetten die den Menschen ausmachen, auch selbst in sich tragen.
AntwortenLöschenSowohl die Optik betreffend, als auch das Wesen.
In sofern müsste er auch "quere" Aspekte haben, genauso auch weibliche Anteile usw.
Und auch Humor dürfte ihm nicht fremd sein, so dass ich denke, er lacht vielleicht ganz gerne über unsere Witze hier, wahrscheinlich ist ihm manchmal langweilig🤔
Außerdem ist Gott wahrscheinlich ein solch undenkbares Wesen, dass es müssig ist, sich "ES" irgendwie vorzustellen...
WAS DEN "HÖLLENSCHLUND" angeht denke ich, da hinein gehören wohl eher Andere hier auf dieser Welt, als du und ich, die wir versuchen manchmal mit schwarzem Humor sich durch die Ereignisse der Zeit zu arbeiten.
Vor Jahren sah ich übrigens einmal an eine Mauer gesprayt: "Gott ist tot, Nitsche"
Jemand anderes hatte darunter gesprüht: "Nitsche ist tot, Gott!"
Hatte mir sehr gut gefallen 😂👍
Die Einschlaferei bereitet mir Probleme, zur Zeit ist die Lösung für mich, ein Hörbuch zu hören, dann klappt es meist.
Leider wohne ich nicht so wunderschön, wie du es wohl tust
Hier gibt es immer irgendwelche Geräusche, auch nachts, mit kleinen Kindern im Haus, Autos die kommen und gehen, naja, ich hoffe, ich kann im nächsten Jahr umziehen und dann etwas mehr zur Ruhe kommen...
Der Schnee ist hier schon wieder fast weggetaut und es sieht nicht mehr schön aus.
Dir weiterhin guten Appetit mit Leckereien, wie Donauwellen und Käsekuchen und genieße diese Stille um dich herum!
Bis dahin, LG, du weißt schon wer :D
Hallo B., danke für Deine ausführliche Antwort. Heute morgen gab es zum Frühstück wieder "Mohnzopf", alles ist gut. ;-)
AntwortenLöschenIch möchte kurz auf die Gestalt Gottes eingehen. Ein allmächtiger, vollkommener Gott kann - nach meiner Logik - nichts Menschliches an sich haben. Er ist überall gleichzeitig, im ganzen Universum, da braucht es ein Wesen, das anders 'gestrickt' ist als ein Mensch.
Wenn ein Pfarrer auf dem Kirchentag sagt, Gott ist 'queer', dann will er wohl ausdrücken, daß Gott alle Menschen liebt. Aber grundsätzlich ist die Aussage Quatsch, weil Gott eben kein Mensch ist, weder Frau noch Mann, kein 'Diverser' und auch kein Kind. Aber wir müssen uns einen Gott, an den wir glauben sollen, irgendwie vorstellen. Und deshalb muß er eine Gestalt haben. Wenn in der Bibel steht, Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, dann ist klar, wie wir ihn uns vorzustellen haben. Gleichzeitig heißt es aber auch, wir sollen uns kein Bild von Gott machen (2. Gebot).
Deshalb finde ich, bei der Vorstellung Gottes sollten wir an Jesus denken, der ist uns als 'Menschensohn' vertraut und gehört zur göttlichen Dreifaltigkeit. Beim 'Heiligen Geist' fällt mir nur eine Taube ein, und die ist als Gottesbild auch nicht zu gebrauchen. ;-)
Ich wünsche Dir angenehme Tage und Ruhe, wenn Du sie brauchst. Liebe Grüße!